Neuer Sächsischer Kunstverein e.V.

Wie alles begann …

Es galt 1989 eine geeignete Spielstätte für das 1988 gegründete Theater „Dresdner Brettl“ zu finden, das provisorisch im Kellergewölbe der Jazztonne im Kurländer Palais an deren beiden wöchentlichen Schließtagen gastierte. Begehrlich fiel mein Augenmerk auf die Ruine des Lipsius-Gebäudes, von dessen Ausstellungshalle nur noch die Umfassungsmauern standen. Dort ein Theater einrichten zu dürfen mit Galerie, das war eine berauschende Vision. In unmittelbarer Nachbarschaft befand sich damals eine große Baustelle. Schweden bauten das Interhotel „Dresdner Hof“. Tagtäglich konnte man beobachten, wie Transporter Stahlbewährungen und Beton anlieferten. Mit dem Architekten Steffen Gebhardt befreundet, kam mir der Gedanke: Was wäre, wenn es uns gelänge, einige dieser Transporter auf das Gelände der Ruine des ehemaligen Sächsischen Kunstvereins umzulenken?! Steffen Gebhardt berechnete, wie viel Stahl und Beton notwendig gewesen wären, um eine Zwischendecke einzuziehen, eine Bühne und einen Zuschauerraum einzurichten. Wir beschlossen, uns mit Hans Jochen Vogel von der SPD in Westberlin beraten zu lassen.

Im Sommer 1989 reiste ich in dessen Bürgerbüro nach Neukölln. Ich legte ihm die Pläne für die Einrichtung eines Theaters im Dresdner Lipsiusbau vor. Er vermittelte ein erstes Treffen mit Hamburgs Bürgermeister Vorscherau im Rahmen der Städtepartnerschaft, der wiederum ein Treffen mit dem Vorstand der Dresdner Bank arrangierte. Nach dem Gespräch stand ich mit Steffen Gebhardt im Regen auf dem Hamburger Jungfernstieg und wir waren uns einig, dass wir, um Erfolg zu haben, den Sächsischen Kunstverein wieder beleben müssen und dieser sollte dann multimedial ausgerichtet sein, also auch Heimstatt für Schriftsteller, Komponisten und… Heidrun Müller schrieb die Einladung für ein erstes informelles Treffen, das im noch nicht eröffneten Interhotel Dresdner Hof stattfand. Dr. Werner Schmidt äußerte den Gedanken, dass mit einer multimedialen Ausrichtung eine Neugründung des Sächsischen Kunstvereins einhergehen müsste. Es stellte sich allerdings im Nachhinein heraus, dass damit alle Rechtsnachfolgeansprüche verwirkt waren. Achim Sacher war zur damaligen Zeit Stadtrat für Kultur.

Am 21.11.1989 fand im Rathaus ein Treffen mit dem damaligen Oberbürgermeister Wolfgang Berghofer statt. Es wurde der Besuch von Lothar Späth und Björn Engholm angekündigt. Beide wollten die Ruine des Lipsius-Gebäudes, die Ausstellungshalle des historischen Sächsischen Kunstvereins besichtigen. Gleichzeitig wurde angemerkt, dass die Dräger-Stiftung in Dresden investieren wollte.
Am 3.1.1990 fand die erste konstituierende Sitzung statt, auf der die Organisationsstruktur des Vereins diskutiert wurde. Der Beschluss der Satzung folgte am 29.01.1990. Der Kontostand betrug bereits 21.500 Mark. Ein Valutakonto sollte eingerichtet werden und die Ausschreibung zur Bewerbung eines Geschäftsführers wurde verabschiedet.
Am 30./31.1.1990 weilte Lothar Späth in Dresden. Er residierte im Hotel Bellevue und rief zu später Stunde Ludwig Güttler an, den er bei den Ludwigsburger Festspielen kennen gelernt hatte. Güttler erwiederte: „Wir gründen gerade den Kunstverein neu!“ Es erfolgte eine spontane Einladung in das Hotel. Wir wurden mit offenen Armen empfangen. In dieser Nacht entstand ein Kontakt, der lange lebendig blieb. Durch die Vermittlung von Lothar Späth fand die Gründungsveranstaltung in der Semper-Oper statt. Und daraus erwuchs die fördernde Mitgliedschaft der Staatsoper sowie die Kooperationsvereinbarung jährlich musikalische Sonntagsmatineen durchzuführen.

Die Dräger-Stiftung investierte in den Neuen Sächsischen Kunstverein e.V., der wiederum für den Wiederaufbau des Lipsius-Gebäudes spendete. Das Restvermögen wurde in eine unselbständige Stiftung zur Förderung der Projekte des Neuen Sächsischen Kunstvereins e.V. umgewandelt, die von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen verwaltet wird. Das Dresdner Brettl zog am 4.09.1990 vorübergehend auf die Maternistraße, bis der Theaterkahn seine Heimstatt wurde.

(Aufzeichnung eines Gesprächs mit Friedrich Wilhelm Junge, mit Ergänzungen aus den Unterlagen von Achim Sacher.)

Karin Weber

©  2016 Neuer Sächsischer Kunstverein e.V.